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Für ein etwas besseres Deutsch ...

Dieses Thema im Forum "Smalltalk" wurde erstellt von emax, 3. August 2008.

  1. Carsten

    Carsten Moderator

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    Das Thema mit den Steigerungen solcher Begriffe hatten wir doch auch schon oder?

    Egal, Egaler, am egalsten ?!
    Fällt Schnurzpiepegal auch in eine der Steigerungsformen?

    Gruß
    Carsten
     
  2. emax

    emax canikon Legende

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    Na sag ich doch: die neue Olympiade geht bald los - nach den Spielen ... ;D



    ... ist aber irgendwie im falschen Thread gelandet. War wohl spät gestern? ;)
     
    #102 emax, 6. August 2008
    Zuletzt bearbeitet: 6. August 2008
  3. massi

    massi Aktiver canikon

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    Hallo,

    Würde heute wahrscheinlich als "am megaegalsten" gehandelt...


    Tschööö

    massi
     
  4. URi

    URi Aktiver canikon

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    Äh, sorry. Das versteh' ich jetzt nicht. Hast Du vergessen, den Satz zu ende zu schreiben?

    Da bin ich anderer Meinung. Gerade beim schreiben ist er wichtig. Ich weiß jetzt nicht mehr, wer es war. Aber irgend jemand hat hier das Beispiel gebracht eine Verkäuferin nach ihrer Masse (oder wars doch ihre Maße?) zu fragen. Außerdem kann ich auch nicht ganz Deiner Argumentation der Deutschen Sprache folgen. Das Schweizerdeutsch ist Schweizerdeutsch, so wie Österreichisch Österreichisch ist. Auch wenn man es verstehen kann, so ist es doch eine andere Sprache.
    Was glaubst Du was passieren würde, wenn hier jemand schreiben würde "Die Kuh ist über die Fence gejumpt!" oder "Wasever, ich muss die Pick-up da erst mal greasen und das Oil changen"? Jeder würde es für einen Gag halten, richtig? So spricht ja schließlich kein Mensch, oder doch?
    Anmerkung an die Admins: Kann man denn die Links nicht deutlicher kennzeichnen?
    Das "oder doch" oben ist ein Link, der angeklickt werden kann.
     
    #104 URi, 6. August 2008
    Zuletzt bearbeitet: 6. August 2008
  5. Andreas Lau

    Andreas Lau canikon Mitglied

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    Nee, bin krank und ohne Ausrüstung ;)

    Ich habe gedacht, es würde hier ganz gut reinpassen. Ist zwar kein Rechtschreibfehler aber Allgemeingut...

    LG Andreas
     
  6. Hans Schaechl

    Hans Schaechl Aktiver canikon

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    Hallo Emax,

    ich wollte nicht nur einen kleinen Ulk liefern sondern durchaus
    auch signalisieren, dass meiner Ansicht nach die Themen
    Rechtschreibung und Grammatik von dem von Dir gewünschten
    Fokus dieses Threads auf "korrekte Ausdrucksweise" nicht so
    leicht loslösbar sind. Dies hatte ich, vielleicht bis zur Unkenntlichkeit
    entstellt, in einem entsprechenden Beispiel verpacken wollen.
    Ich hatte nicht "Müll" abladen wollen.

    Grüße,
    Hans
     
  7. Gast005

    Gast005 Guest

    ich finde die Aufklärung über den Unterschied sehr passend, vor allem aber informativ. Es geht doch hier nicht nur um Rechtschreibung sondern darum, dass man sich verständlich ausdrückt. In deinem Beispiel hat sich das Falsche so eingebürgert, dass es schon wieder Richtigkeit erlangt hat.
    Es ist ähnlich wie mit vielen anderen Beispielen hier "das Gleiche - dasselbe", "anscheinend - scheinbar" etc.
    Grüße
    Ramona
     
  8. Gast005

    Gast005 Guest

    Boah, was für ein Satz *azn*
    Übertreibung schafft Klarheit (naja, nicht immer, wie man sieht) ;)
     
  9. emax

    emax canikon Legende

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    Das hat auch niemand gesagt.
     
  10. Hans Schaechl

    Hans Schaechl Aktiver canikon

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    Stimmt, wörtlich nicht, aber Deinen Wunsch nach meinem Posting,
    diesen Thread nicht zu einem Müllsammlung verkommen zu lassen,
    habe ich so interpretiert. Wenn er nicht so gemeint war, umso besser.

    Grüße,
    Hans
     
    #110 Hans Schaechl, 6. August 2008
    Zuletzt bearbeitet: 6. August 2008
  11. MadDog J

    MadDog J Live Performance Artist

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    mal back to topic ...

    lieber emax,
    ich kann nicht genau sagen, und maße mir das auch nicht an, was genau Du mit dem Thrad möchtest ...
    ein wenig smaltalk über Sprache und so ... oder doch tiefer ...

    ich lese Deine Beiträge sehr gern und gehe auf dieses Thema voll ab ... ist wie n Kessel unter Druck ...

    Sprache ist mir eines der liebsten Denkmaldrübernach Dinge.

    Warum? Weil ich damit arbeite, lebe ... es gelernt habe ... üble Sachen erlebt habe und selbst getan habe ... große Erfolge hatte ...

    Ist es mir erlaubt etwas weiter aus zu holen? Ich möchte vor der Klärung "besser deutsch" ein paar Definitionen in den Raum werfen.
    Denn eines ist auch Dir klar, wie bei technischen Diskussionen, wenn die Parameter nicht vereinbart sind, ist ein Meter kein Meter sonder vielleicht ein Zoll oder auch nicht.
    Sprache ist ebenso analysierbar, technisch ... und als philosophische Kategorie. Ich würd gern ... aber s könnt etwas tiefer gehen, und es ist Dein Thread ...

    Danke und liebe Grüße J
     
  12. emax

    emax canikon Legende

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    Nur zu Mad, Deine Beiträge zeugen gerade wegen Deiner ganz unglaublichen Sprachverrenkungen von virtuoser Eloquenz und geniessen abgesehen davon bei mir besondere künstlerische Freiheit (ganz ohne herabzublicken, im Ernst!).

    Ich bin neugierig auf Deine Sicht der Dinge! :)

    MACH HIN, sei hemmunglos! :eek: ;)
     
  13. MadDog J

    MadDog J Live Performance Artist

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    Hi emax, nabend Freunde,

    Für ein besseres Deutsch ...

    hmmm, ich habe mir ein wenig, nun ja etwas mehr Zeit genommen.
    Das Thema ist, wie schon angesprochen, etwas Leidenschaft-Auslösend bei mir.

    Aber ich versuch mal meine Gedanken zu ordnen. Im Kopf habe ich die "Schere" eines lieben Freundes, der hin und wieder zu mir sagt, "Alder, wat willst Du? Komm zum Punkt!" Das schöne ist, die Frage: "Was willst Du?" stellt sich wirklich indirekt.

    Fang ich damit mal an: einladen, ja einfach einladen! ...
    Weder belehren, bekehren
    Noch Götter zu ehren
    Kein garstig vergelten
    Kein Murks hier zu schelten
    Nur spielend Gedanken
    Mal ganz ohne Schranken
    Sich treiben zu lassen
    Und ... hoch jetzt die Tassen! *sektchen*

    aaahhh höre ich sie rufen, ein Sinn-Bruch, wie kann er nur?! Hängt Ihn auf, an Schillers Locke ...
    Genau so gehe ich mit dem Thema "Besser Deutsch" um, entspannt. Nicht zu ernst. ok? Dann mal los ...

    Pseudomad-Wissenschaftlich: was ist "Für ein besseres Deutsch ..."?
    Erst mal eine Einschätzung, verbunden mit einer Erwartung:

    Definieren wir im einzelnen
    Für - unterstützender Kontext. Interessant schon diese Formulierung, die positive Ausstrahlung hat - emax bist Du vielleicht kein Deuscher? Das ist eher untypisch! Du bist nicht "gegen schlechtes Deutsch!" sondern "Für ..." Oha ... ein Gedankenansatz, auf den ich noch zurück kommen möchte.
    ein - ganz problematisch! warum? welches "ein"? welches das Deutsch? Als unwichtiges Füllwort verwendet scheint es ok. Als Zählwort, definiert "1" ..., irgend ein, genau ein, ungefähr ein, ein bestimmtes? Das ist nicht trivial - auch hier habe ich Stunden gegrübelt
    besseres - besseres, nun definiere erstens Status "jetzt", definiere Änderungspotential, definiere Zielzustand und definiere Meßkriterien, immer noch bleibt die Subjektivität der "Einschätzung: besser".
    Deutsch - puhhh, hier wird es ganz oberflächlich betrachet einfach. Es gibt die Sprachkommission. Die sagt, das ist Deutsch und gut ist! Nun ja, Ausnahmen sind ... Dialekte, Mundarten, akzeptierte Sprachentwicklungen vor Aufnahme in den gesellschaftlichen Sprachkonsens, Landessprachen der deutschen Sprachfamilie und so weiter.

    Was ist Deutsch weiterhin? Blöde Frage! Eine Sprache! Man is der Mad doof?!?!?!
    Was ist eine Sprache - oooch Mad, nerv net! Mach n Mund auf und laber los, versteht Dich einer isses Sprache, wenn net, wie meistens, dann Pech gehabt! Yo, so einfach ist es.
    Sprache ist verbal codierte Abstaktion von meschlichen Gedanken zum Zwecke der Übertragung auf andere Menschen - sozusagen verbale virulenz - lest mal "snowcrash" - geiles Buch zum Thema!!!
    Im Gegensatz zu "auffe Nase Hauen", das ist nonverbal und fast nicht codiert. Denn es bedeutet relativ universell verständlich - ÄRGER/Meinungsverschiedenheit.
    Grundvoraussetzung der Kommunikation: gleiche Codierung der Abstaktion - Sprache - bei Sender und Empfänger.
    Beispiel: Verbal: ein Franzose könnte mir erzählen, er will mit meiner Frau durchbrennen, oder einen Rotwein anbieten - ich würde es nicht verstehen. Meine Reaktion verbal versteht er auch nicht, ich werde nonverbal und haue ihn (versaut mir ein Besäufnis) oder alternativ lächel ich und er brennt mit meiner Frau durch ... Mißverständnisse ohne Ende ...
    Dieses Beispiel ist übrigens auf auf die verschiedensten Varianten von Deutsch anwendbar. InternetSprache, FormaleAmtssprache, Wissenschaftssprache ... etc.
    Codierung rules!!! Meßtechnik und Informationswissenschaft treffen sich und gehn einen Saufen, legen sich übereinander und schon hat man Sprache verstanden und kann emax sein Posting relativ gelassen weiter verfolgen.

    Wer hier schon genug hat, steigt besser aus, das war nur zum aufwärmen ... ab hier geht es ab in die labyrinthische Welt meiner verworrenen Gedankensprünge ... hüpfhüpfhoppehoppel ... ;D

    bis demnächst - dann reden wir mal über "Kultur-Meßbarkeit" anhand der Granularität der Codierung. Wortschatz - aktiv, passiv und so ...
    weiterer Themenblock: Pysik der Sprache - Senden, Empfangen, Datenträger
    dto.: shocking englisch in se good old deutsche Sprache drin bei ... - Sprachentwicklung, Ängste, Erwartungen, Folgen - Thesen, Antithesen zu was reden die Kiddies heutzutage für n Scheiß
    es soll ja schließlich um einen besser Deutsch gehen - messen, was ist dem krass besser als ... ich hab dem Thema nicht aus das Augen verlohren, auch wenn ihm so scheinen sollte, wie es nicht müsste, wenn ich würde, wie ich könnte, aber nicht hatte, als ich dürfte ... oder so :-[ cheers Mad
     
    #113 MadDog J, 13. August 2008
    Zuletzt bearbeitet: 13. August 2008
  14. Vito

    Vito Aktiver canikon

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    Moin emax,

    ich kann mich auch an den anderen thread noch gut erinnern. Ich glaube, der ist dann zu einer Sammlung von Stilblüten aus dem anderen Forum geworden, oder?

    Ein kleiner Einwand - Grubenhund ist genauso richtig, wie Grubenhunt. Im Neudeutschen wird sogar die seltsame Schreibweise mit "D" bevorzugt...

    Gruß
    Stefan
     
  15. MadDog J

    MadDog J Live Performance Artist

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    Liebe Freunde,
    ich hatte es ja "angedroht" ... und nun nach reiflicher Überlegung und Abwägen, ob ich oder doch besser nicht ...

    Physik der Sprache, Codierung soll heute mal ein Thema sein.
    Dieser Artikel wird etwas länger sein, voller Rechtschreibfehler und hier und da unverständlich und mit Gedankensprüngen versehen. Ich bitte um Nachsicht und hey ... ich habe nicht den Anspruch eines Linuistik-Professor-Ersatz-Experten, es ist nur mein Lieblingsthema für umme Ecke denken.

    Stellen wir uns in einer Abstraktion ein einfaches meßtechnisches Beispiel vor.
    Eine Garten-Gewächshaus Steuerung
    Meßeinheit: Temperaturfühler mit min und max
    Meßwert Wandler - Bimetall mit 2 Kontakten für el. Schaltung
    Übertragungssrecke der Information- Kabel
    Informationssenke mit Informations Aufarbeitung - Heizung und Lüftung mit an/aus
    Prinzip ist einfach: Bimetall am min wert - Kalt - Heizung an
    Bimetall am max Wert - Heiß - Lüftung an
    Dazwischen "normal Betrieb"

    Das ist Informationsverarbeitung als "Model" - und SPRACHE.
    Wie??? Jetzt spinnt er - nun ja etwas Abstraktion und "Model"-Denke ist wirklich nötig, das geb ich gern zu. Ich möchte Randbedingungen im Model ausgrenzen, dazu sind Modelle da.

    Ich setze nun in dieses Model mal handelnde Personen und das Forum ein
    Informationquelle: MadDog J
    Informationsempfänger/-senke: emax (Danke für Deine Mitarbeit in einem Post :D)
    Informationsstrecke: Web - WAN
    Informationsträger: codierte Schaltzustände in Servern/PC etc.
    Information: dieser Post
    Gewächshaus: Canikon

    Im Model ist die Information, die erstellt wird, eine einfache: es sind 3 Zustände möglich die definiert sind und permanent abgefragt werden und weiter gegeben werden. min, max und normal. Aufmoduliert auf sagen wir mal 5 Volt, weil es sich in den meisten Schaltungen am einfachsten verarbeiten läßt.

    Nun in der Spache ist diese Codierung unendlich vielschichtiger und in Nuancen unterschiedlich, sprich deutsch mit Alter 37, ostdeutscher, Berliner Sprach-Hintergrund (Mad) etwas anders, als vielleicht westdeutsch Odernwald Gegend, älter (weiser :-[) eben etwas anders (emax).
    Beide sprechen wir deutsch, für beide gilt offiziell die Schriftsprach-Norm der Duden&co. Es dürfte keine Probleme geben.
    Kann es aber real, denn jeder Meßtechniker weiß, es gibt Störgrößen.
    Der Temperaturfühler altert, die Schaltung hat Toleranzen von 10% und die Verbindungen zur Kabelei sind leicht korrodiert. Schon sind 5 Volt nicht mehr 5 Volt sondern 3,8 und 25° können 30° oder 20° sein, für empfindliche Orchideen übrigens eine Überlebensfrage - darauf kommen wir noch später.
    Die Auswirkungen können fatal sein, wie sich jeder leicht vorstellen kann.
    Sprachlich ist es genau so, Toleranzen im Gebrauch von Worten sind nicht immer leicht "selbst-"erkennbar. Schließlich bewegt man sich in einem soziokulturellen Umfeld mit ähnlichen Gebräuchen (auch sprachlich).
    Ein Beispiel:
    Der Wandel der Bedeutung des Wortes "geil".
    Die Jugend nutzt es fast inflationär um eine positive Bewertung eines Sachverhaltes vorzunehmen, meint aber bestimmt nicht den vorherigen Gebrauch des Wortes als "lüstern". Nun, der Wandel der Bedeutung des Wortes vollzog sich innerhalb weniger (für Sprache fast kurzer) Zeiträume.
    Wer nun älter ist, wird sich durch diese Inflation des sexuellen Bezuges in der Sprache allein schon durch die Erziehung und Lebenserfahrung abgestoßen fühlen. Man würde es vielleicht noch tolerieren können, wäre aber unangenehm berührt. Eine Störung der Kommunikation ist die Folge.
    Das ist "Codierung in der Tiefe" wie ich es gern nennen würde. Wenn es gelingt, statt weniger Worte wie "geil" oder "cool" andere früher gebrächliche oder phantasievoll benutzte Beschreibungen für Gemütszustände oder Empfindungen z.B. beim Betrachten von Bildern zu finden und zu schreiben, dann sehen wir einen anderen Stand der Kultur im Forum ... wie im realen Leben.
    Linguistiker nennen es mit Fachworten sicher anders ;D :confused:

    Hier sehe ich auch den Schlüssel zur "Bewertung" des kulturellen Standes einer Gesellschaft, einer Gruppe ... naja auch eines Forums wie Canikon. Gesellschaften mit einer tiefen sprachlichen Codierung, die ursächlich u.a. in einem hohen Grad von Arbeitsteilung und Spezialisierung zu begründen sind, werden mit differenziertem Wortschatz arbeiten können. Dinge müssen nicht in groben Toleranzen und damit störanfällig für Mißverständnisse gesagt/geschrieben werden. Eine zu spezialisierte Sprache und das sei der Gerechtigkeit halber gesagt, läßt auch viele Störgrößen zu, da die gesamte Steuerung zu "empfindlich" ist und zu flimmern anfängt. (auf zu, Heizung an/aus im Gewächshaus - ja/nein/meinte ich so/nee anders - im Forum).

    Wie im Forum die Forumsregeln, ist im Gewächhaus die Einstellung der Steuerung einem Zweck unterworfen. Wir wollen alle, dass Canikon gedeiht und die Pflänzchen der Freundschaften unter besten Bedingungen wachsen können. Um so interessanter ist es hier, welche Empfindlichkeiten hier als "Meßgrößen" eingestellt sind. Wir sind da an externe Gründe gebunden (Rechtslage) vergleichbar mit der Tatsache, dass bei 0° alles einfriert - unumstößlich sozusagen und hart in der Konsequenz.
    Wir sind also im Sprachgewächshaus nicht "frei" und "ungebunden zur Welt". Hier wird immer schnell das Thema Zensur sensibel. Der Zweck eines Gewächshauses wird vom Besitzer definiert. Will er empfindliche Orchideen anzüchten, wird er strenge Meßkriterien definieren, unabhängig davon, ob ein Temperatur-toleranterer ebenfalls im Haus stehender Gummibaum mit höheren Temperaturen im Gewächhaus klar käme.

    Egal, wie sicher wir uns mit unserer Gewächshausschaltung fühlen sollten, wir sehen von Tag zu Tag lieber selber mal nach oder? Kommt seid ehrlich!
    Was machen wir damit "rein sprachmeßtechnisch"? - wir moderieren.
    Es gibt zu wenige Moderatoren im realen Leben! Wir hätten weniger Probleme in der Welt, würden wir öfter mal selber ins Gewächshaus sehen.

    Gut, hier bei Canikon haben sich dankenswerter Weise einige nette Menschen bereit gefunden zu moderieren. Das ist meßtechnisch übersetzt nichts anderes, als zu prüfen ob Sender und Empfänger sich noch verstehen/Unterhalten - das heißt: "Ist der Informationskanal frei?" " Ist die Codierung im Rahmen der Toleranzen?" "Ist der generelle Zweck der Informationsverarbeitung noch gegeben - Zielführung?" "Ist vielleicht das Kabel defekt, es kommt nur das "min"-Signal an und die Heizung brät uns die Tomaten zu Schrumpeln?"
    Haben wir empfindliche Orchideen (Leser) ist das Aussteuern der Schaltung des Gewächshauses um so komplizierter, Toleranzen sind hier schnell aufsummiert und bilden dann im Peak echte reale Probleme.

    Ich möchte also zuerst für die Moderation danken!
    Ich bedanke mich weiterhin für das Lesen und die Zeit, die Ihr meinen Gedanken gewidmet habt.
    Grüße Mad
     
  16. emax

    emax canikon Legende

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    Servus Mad,

    es erfordert immer einiges an Konzentration, Deinen Gedankengängen vollständig zu folgen. Und i.d.R. lohnt sich das auch, so auch bei dem Beitrag oben.

    Lass mich Dein Modell aufgreifen, und die Messgeschichte etwas weiter beleuchten.

    Wenn irgendwo Informationen ausgetauscht werden, und dass geschieht zweifelsfrei nicht nur mit Hilfe emotionaler Äusserungen, sondern auch im Wege emotional bestimmer Rezeption auf der Gegenseite, dann unterliegt dieser Vorgang selbstredend so mancher Ungenauigkeit: der eine meint es nicht so, wie es der andere wahrnimmt.

    Genau das aber begründet unsere Hauptaktivitäten hier im Forum: Diskussionen, Thesen, Antithesen, Zustimmung, Ablehnung, Lob und Kritik. Wie schön, dass das so ist, und dieser Teil unseres Sprachgebrauchs Bedarf auch kaum irgendeiner Regelei. Schliesslich handelt es sich um Geräusch gewordene (bzw. Bits und Bytes gewordene) menschliche Meinung und Wahrnehmung: die ist nicht exakt, man kann sie nicht normen -zum Glück-, und deshalb im Grunde auch keiner Fehler bezichtigten.

    Einzig das Medium, welches wir zum gegenseitigen Austausch benötigen, muss einen kleinsten gemeinsamen Nenner haben. So wie der Temperaturfühler (als kleinste gemeinsame Grösse) elektrische Ladungen für die Übermittlung von Informationen verwendet, so wird jeder Datenlogger mit ihm zusammenarbeiten können, wenn, ja WENN dieser Rezeptor intelligent genug ist und tolerant genug arbeitet, um daraus vernünftige Ergebnisse zu gewinnen. Ausser es passiert etwas, was kein solches System mehr versteht: der Temperaturfühler produziert nur noch absoluten Datenmüll.

    Die spannende Frage ist nun: wo ist die Grenze?

    Das Thema wurde bereits 1949 von Claude Shannon in "A Mathematical Theory of Communication" in revolutionärer Weise beleuchtet. Eine wesentlicher Aspekt seiner Arbeit war die Frage, inwieweit sich sich eine durch einen gestörten Informationskanal transportierte Nachricht (Information) am Zielort ohne Verlust wieder herstellen lässt. Wenn der Signal-/Rauschabstand des fraglichen Informationskanals zu gering wird, wird die Reproduktion der Nachricht irgendwann nur noch unvollständig möglich sein, und die Nachricht somit falsch ankommen.

    Diese einfache, technische Beschreibung lässt sich nun ganz direkt auf den menschlichen Nachrichtenaustausch übertragen. Dabei entpricht der gestörte Informationskanal fraglos einer demolierten Sprache, deren Störsignal zu Lasten des Nutzsignal zu stark wird, um den Empfänger noch in der beabsichtigten Weise zu erreichen. Hinzu kommt ein Aspekt, der mit Mathematik und Technik nun rein gar nichts zu tun hat: die persönliche Ablehnung sprachlicher Modeerscheinungen, die obendrein zum Teil auch noch Rückschlüsse auf die ideologische Positionierung des jeweiligen Gegenübers zulassen.

    Das ist kein Witz. Ich beobachte (nicht nur im meinem beruflichen Umfeld) sehr genau, wie sich die Leute ausdrücken, mit denen ich erstmalig zu tun habe. Und es gelingt mir mit erschreckend hoher Trefferquote, die Weltanschauung der jeweils betroffenen Person zu taxieren: meist liege ich mit meiner Einschätzung richtig.

    Diese (in meinem Falle trainierte) Wahrnehmung findet bei fast allen Menschen statt. Und auch wenn sie im Unterbewusstsein abläuft: sie formt ein Bild des Gegenübers, welches mit der Zeit Einfluss auf Sympathie oder Antipathie hat. Ich halte Sprache deshalb für etwas ausserordentlich Wichtiges. Und aus diesem Grunde bin ich natürlich sensibel für (meiner Meinung nach) grobe Sprachverunstaltungen.

    Tippfehler zähle ich übrigens nicht dazu. Das sind nur kleinere Störungen, mit denen ich selber stark zu kämpfen habe. Aber Ausdruckweisen wie "was meint das Verkehrsschild", "das macht Sinn" oder "am Ende des Tages", die finde ich wirklich scheusslich, denn es werden immer mehr. Darunter wird der Informationsaustausch auf Dauer wirklich leiden, und er tut es schon jetzt.

    Oder ist wirklich jedem klar, was "aufschlauen" ist? Was das Unwort "verargumentieren" bedeutet, oder was etwa mit "voll Porno" ausgedrückt werden soll :eek: ... ?

    Die Bitte dieses Forumthemas bleibt da vergleichsweise bescheiden: "... ein etwas besseres Deutsch".
     
    #116 emax, 5. September 2008
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2008
  17. Anonym009

    Anonym009 Guest

    @emax

    Das Rauschen-Nutzsignal-Modell funktioniert nur begrenzt, wohl nur für im wahrsten Sinne des Wortes fehlerhafte Kommunikation: Schreibfehler, Grammatikfehler oder falsche Aussprache. Kommunikation kann aber auch fehlschlagen, wenn Sender und Empfänger beide völlig korrekt kommunizieren, aber ein je unterschiedliches Verständnis des übermittelten Codes haben. Kurzbeispiel wäre ein Teekesselchen: der eine sagt (Wasser-)Hahn, der andere versteht (Hühner-)Hahn. In diesem Fall gibt es kein störendes Rauschen, das Signal wird einwandfrei übertragen, aber anders decodiert als encodiert.

    Und Begriffe wie "Sinn machen" oder "aufschlauen" stören nur dann die Kommunikation, wenn sich die potentiellen Empfänger nicht auf die neue, geänderte Art der Codierung einlassen. Manchmal ist es nötig, neue Begriffe zu finden und dem Vokabular hinzuzufügen (Automobil, Computer), manchmal ist es nur Mode oder Lust am Ungewöhnlichen oder Neigung zur Abgrenzung (geil, voll fett, aufschlauen). Aber wenn den Kommunikanden nicht derselbe Codeumfang zur Verfügung steht, müssen sie Neues dazu lernen. Denn eines sollte uns allen klar sein: das Vokabular, mit dem wir jeweils aufgewachsen sind und das wir für "normal und richtig" halten, wäre von unseren eigenen Vorfahren vor 100, 200 oder 500 Jahren nur sehr eingeschränkt, evtl. gar nicht verstanden worden.
     
  18. emax

    emax canikon Legende

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    Für Wörter wie "Automobil" und "Computer" hat es einen Sinn, sich nicht auf die alte Sprache zu beschränken: sie beschreiben letztlich etwas Neues (wobei die Franzosen bis heute prächtig ohne das Wort "Computer" auskommen, und auch im Deutschen das Wort "Rechner" ganz gut passt).

    Aber bereits bei "aufschlauen" frage ich mich, was für ein Dummerle ich da vor mir habe: "informieren" klingt doch irgendwie seriöser, oder?

    Wie immer man Sprache wahrnimmt, vielleicht hat ja Bastian Sick Recht, wenn er schreibt:

    " ... Ob die deutsche Kultur Halloween braucht, konnte noch nicht überzeugend beantwortet werden. ... Aber wenn der frühe Vogel bereits Sinn macht, dann wird am Ende des Tages auch Halloween für jedermann etwas meinen."

    Wohl dem, der das ohne zu stolpern aufnehmen kann. Ich empfehle, den vollständigen Artikel zu lesen.
     
  19. Anonym009

    Anonym009 Guest

    Ich finde bekanntgeben klingt noch ernsthafter ;-)

    Klar sagen die Franzosen ordinateur statt Computer, aber dafür sagen die auch weekend, wo wir noch Wochenende sagen.

    Die deutsche Sprache ist nun mal ein wild zusammengewürfelter Haufen von Begriffen, aus dem Lateinischen (Computer, Automobil), aus dem Griechischen (Automobil), Arabischen (Algebra), Französischen (Büro), Tschechischen (Roboter), Inuit (Anorak) und vielen anderen. Genau wie die Deutschen selbst, deren Vorfahren von fast überall her eingewandert sind, wie in Zuckmayers Des Teufels General der Harras seinem jungen Leutnant beeindruckend vor Augen führt. Seit vielen Jahrhunderten entwickelt sich so die Sprache fort, nimmt neue Begriffe aus anderen Sprachen auf und vergisst andere, die keiner mehr gebraucht. Wenn das mal nicht mehr geschieht, wenn kein neues Wort mehr "einheiraten" will, ist die Sprache tot.
     
  20. emax

    emax canikon Legende

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    "Aufschlauen" erhält eine Sprache nicht lebendig. Du selber lieferst in beeindruckender Weise das beste Beispiel dafür: "aufschlauen" habe ich bisher nur gehört als "ich werde mich da mal aufschlauen".

    Ja nee, is klar: ich werde mich bekanntgeben, muhahah!

    Da sieht man doch mal sehr schön, wie daneben solche Dummstruktionen sind. Lebendige Sprache? :-[